Was bleibt, klingt weiter: Día de Muertos
In Mexiko habe ich etwas entdeckt: Hier wird der Tod nicht nur mit Trauer verbunden. Hier wird das Leben gefeiert. Mit Blumen, Musik, Farben, gutem Essen und Erinnerungen an Menschen, die nicht mehr bei uns sind.
Der Día de Muertos, der Tag der Toten, zeigt mir jedes Jahr neu, wie verschieden Menschen mit Erinnerung umgehen. Und jedes Jahr denke ich dabei an die Traditionen zurück, die ich aus Ungarn, Österreich und Deutschland kenne.
Überall erinnern sich Menschen an ihre Verstorbenen. Wie sie es tun, erzählt viel über ihre Kultur, ihre Geschichte und ihren Umgang mit dem Leben.
Mexiko: wenn die Erinnerung zum Fest wird

Schon Wochen vor dem Día de Muertos verändert sich das Bild der Stadt. In Geschäften, Hotels, Restaurants, öffentlichen Gebäuden und auf Plätzen entstehen kunstvoll gestaltete Altäre, die Ofrendas. Überall leuchten orangefarbene Cempasúchil-Blumen. Wir kennen sie in Europa gut, als Studentenblumen oder Tagetes, auf Ungarisch Büdöske. Dazu kommen Kerzen, Fotografien, Speisen und persönliche Erinnerungsstücke. Die Vorfreude ist spürbar.
Der Día de Muertos wird vor allem am 1. und 2. November gefeiert. Seine Traditionen verbinden indigene mexikanische Vorstellungen mit den katholischen Gedenktagen Allerheiligen und Allerseelen.
Die Altäre erinnern an Menschen, die gestorben sind. Auf ihnen stehen ihre Fotos, ihre Lieblingsspeisen und Getränke. Blumen und Kerzen haben eine symbolische Bedeutung, ebenso die liebevolle Gestaltung jedes einzelnen Platzes.
Was mich besonders fasziniert: Die Verstorbenen gelten in dieser Tradition nicht einfach als abwesend. Sie werden symbolisch wieder willkommen geheissen.
Natürlich gehört in Mexiko das Essen dazu. Familien kommen zusammen, teilen Geschichten und lachen. Musik, Tanz und farbenfrohe Umzüge machen aus dem Gedenken vielerorts ein lebendiges Fest.
Auch Hunde spielen eine Rolle. In der mexikanischen Überlieferung gilt der Xoloitzcuintle, der mexikanische Nackthund, als Begleiter der Seelen auf ihrem Weg in die Welt der Toten. Das passt zu einem Land, in dem Hunde auch heute überall dazugehören.
Solange wir uns erinnern

Vielleicht kennst Du den Animationsfilm Coco. Er erzählt von dieser mexikanischen Tradition und davon, was Erinnerung bedeutet. Ein zentraler Gedanke des Films: Ein Mensch verschwindet erst dann endgültig, wenn niemand mehr an ihn denkt.
Dieser Gedanke geht mir nahe. Denn auch wenn ein Mensch nicht mehr bei uns ist, bleibt so vieles erhalten: seine Geschichten, seine Worte, sein Lachen, seine Gewohnheiten oder eine Melodie, die uns an ihn erinnert.
Erinnerungen verbinden Vergangenheit und Gegenwart.
Ungarn: wenn die Familie zusammenkommt
In Ungarn habe ich Allerheiligen (Mindenszentek) und den Tag der Toten (Halottak napja) immer als Familientage erlebt. Familien gehen gemeinsam auf den Friedhof oder treffen sich dort. Man bringt Blumen, zündet Kerzen an und verbringt Zeit miteinander.
Gerade Anfang November, wenn die Tage kürzer werden, die Kälte zunimmt und der lange Winter bevorsteht, bekommen die vielen Kerzen auf den Friedhöfen für mich eine besondere Bedeutung. Die kleinen Lichter in der Dunkelheit, die Begegnungen mit der Familie und das gemeinsame Erinnern: Diese Atmosphäre trage ich bis heute in mir.
Es ist ein stilleres Gedenken als in Mexiko. Aber auch hier steht die Verbindung zwischen den Menschen im Mittelpunkt.
Österreich: das flackernde Kerzenlicht in Salzburg
In Österreich habe ich die Tradition ähnlich erlebt wie in Ungarn. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der alte Petersfriedhof bei der Erzabtei St. Peter in Salzburg. Diesen historischen Friedhof mit seinen kunstvollen Gräbern habe ich geliebt.
Vor allem an den Abenden, wenn überall Kerzen brannten. Das Licht flackerte im Wind, bewegte sich über die alten Grabsteine und tauchte den Friedhof in einen besonderen Glanz.
Für mich war das nie nur ein trauriger Anblick. Es war auch etwas Tröstliches: so viele kleine Lichter, jedes einzelne ein Zeichen der Erinnerung.
Vielleicht liegt darin die Kraft solcher Traditionen. Sie geben uns die Möglichkeit, innezuhalten, uns zu erinnern und gleichzeitig zu spüren, dass wir mit diesen Erinnerungen nicht allein sind.
Deutschland: zwischen Totensonntag und Halloween
Meine Erinnerungen an Deutschland sind anders geprägt. In Berlin hatten wir viele evangelische Nachbarn. Deshalb verbinde ich das Gedenken dort vor allem mit dem Totensonntag im November.
Der Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt, wird am letzten Sonntag vor dem ersten Advent begangen und markiert das Ende des evangelischen Kirchenjahres. In meiner Erinnerung begann danach die Zeit, in der wir wieder Weihnachtsmusik hören konnten.
Daneben habe ich in Potsdam die liebevoll dekorierten und beleuchteten Vorgärten zu Halloween sehr gemocht. Kürbisse, Lichter und fantasievolle Dekorationen brachten Farbe in die dunkle Jahreszeit.
Halloween und Totensonntag haben unterschiedliche Ursprünge und Bedeutungen. Für mich gehören beide zu dieser Jahreszeit in Deutschland.
Was uns die Traditionen erzählen

Wenn ich diese vier Länder heute nebeneinanderlege, sehe ich nicht nur Unterschiede.
In Ungarn bringt das Gedenken die Familie zusammen. In Österreich stehen die Kerzen für Wärme und Verbundenheit. In Deutschland habe ich stillere Formen des Gedenkens und herbstliche Lichter erlebt. Und in Mexiko wird Erinnerung mit Blumen, Musik, Speisen und Lebensfreude gefeiert.
Überall geht es um denselben menschlichen Wunsch: Menschen, die unser Leben geprägt haben, nicht zu vergessen.
Und vielleicht sind Erinnerungen gar nicht immer traurig. Wir können dankbar sein für das, was wir gemeinsam erlebt haben. Wir können über schöne Geschichten lachen, uns an glückliche Momente erinnern und das Leben feiern.
Was haben Klangschalen mit Erinnerung zu tun?

Für mich liegt die Verbindung im Klang selbst.
Wenn wir eine Klangschale anschlagen, entsteht eine Schwingung. Der Ton breitet sich aus, verändert sich und wird langsam leiser. Irgendwann hören wir ihn nicht mehr. Aber vielleicht bleiben wir noch einen Moment bei dem, was wir gerade erlebt haben. Eine Empfindung, ein Gedanke, eine Erinnerung.
Musik und Klänge können Erinnerungen wecken. Manchmal genügen wenige Töne eines Liedes, und plötzlich sehen wir einen Menschen, einen Ort oder einen Augenblick vor uns.
Klangschalen bieten die Möglichkeit, bewusst innezuhalten und solchen Erinnerungen Raum zu geben. Dabei geht es nicht nur um Trauer. Es kann auch um Dankbarkeit gehen. Um Freude. Um die Menschen, die uns begleitet haben, und um all das, was sie in unserem Leben hinterlassen haben.
Eine Einladung zur Klangmeditation
Inspiriert vom Día de Muertos und den Traditionen aus Ungarn, Österreich und Deutschland habe ich eine zehnminütige Klangmeditation aufgenommen: „Was bleibt, klingt weiter. Eine Klangreise zwischen Erinnerung und Lebensfreude.“
Sie lädt Dich ein, an einen Menschen zu denken, der Dein Leben bereichert hat. Vielleicht ist dieser Mensch noch Teil Deines Lebens. Vielleicht lebt er heute in Deiner Erinnerung weiter. Vielleicht denkst Du auch an einen besonderen Lebensabschnitt, eine Begegnung oder einen Augenblick, für den Du dankbar bist.
Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch. Lass Dich von den Klangschalen begleiten und schenke Dir zehn Minuten für das, was Dir wichtig ist.
Denn nicht alles, was vergeht, verschwindet. Manches klingt in uns weiter.
Eszter Jopp
Klangschale & Gong Akademie
Die Klangmeditation kostenlos anhören: Die zehnminütige Klangmeditation „Was bleibt, klingt weiter“ bekommst Du kostenlos mit dem Klangletter. Die Klangmeditation dazu gibt es in der KA Community. https://edu.klangschalen-akademie.de/offers/CzgnSR7F/checkout
%20_DE.jpg)




Kommentare